Dollhopf, Prof. Günter

* 1937 in Nürnberg

Zeitl. Einordnung:
20. Jahrhundert
Kategorie/n:
Bildende Kunst

Schlagwörter:
Maler, Nordgaupreisträger

Dozent, Maler; Nordgaupreis für Kunst 2009


Biographie:

1937 in Nürnberg geboren, studierte Günter Dollhopf Philosophie und Kunst in München und Nürnberg. Ab 1964 arbeitete er als Kunsterzieher zunächst in München, dann in Sulzberg-Rosenberg und Amberg. Bereits 1971 erhielt er einen Lehrauftrag an der Akademie Bildenden Künste Nürnberg. Zwei Jahre wurde er dorthin als Professor berufen wurde, wo er bis 1997 lehrte und angehende Kunstlehrer ausbildete.
In Werkgruppen wie „Bodybilder“, „Krankheitsbilder“, „Rücken- und Fensterbilder“, „Hackstücke und Faltungen“ oder in den Bildern der vergangenen Jahre „Utopia - Realita“ beschäftigte sich Dollhopf vor allem mit den Themen Mensch und die Landschaft, wobei der der geschundene Mensch oft im Vordergrund steht.
Dollhopf gewann zahlreiche Stipendien und Preise, darunter den Grand Prix der Internationalen Grafik-Triennale in Krakau. Außerdem ist er Träger des Bundesverdienstkreuz erster Klasse.


Bedeutung:

Laudatio Günter Dollhopf

Für diese Laudatio hat mich Achim Hüttner, Schüler von Günter Dollhopf und Vorsitzender der Gruppe Amberger Künstler, unterstützt und mir weitgehend auch seine Feder geliehen. Dafür herzlichen Dank.

„Kunst ist für mich mehr oder weniger eine existentielle Notwendigkeit“. Und:
„Ich male nicht was andere von mir wollen. Ich male was mich betrifft und mich betroffen macht.“ So wird Günter Dollhopf von Utz W. Ulrich im Vorwort seines Buches „Verkörperungen“ (1988) zitiert. Hier wird bereits deutlich, dass wir es mit einem Werk zu tun haben, in dem Biografie und Kunst verschmelzen, sich gegenseitig bedingen.
Günter Dollhopf gelingt in seinen Arbeiten die Ästhetisierung des Unästhetischen. Nie sind seine Bilder, in denen der Mensch und die Landschaft zentrale Themen sind, nur schön. Das gilt für alle Werkgruppen, für die Präfigurationen in den Jahren 1963-1969, für die „Bodybilder“,1970-1975, für die „Krankheitsbilder“, 1975-1977, die „Rücken- und Fensterbilder“, 1978-1987, die „Hackstücke und Faltungen“, 1987-1998, und genauso für die Bilder der vergangenen Jahre „Utopia - Realita“.
Seine Arbeiten in den späten 60er bis Anfang der 70er Jahren waren bevölkert von ineinander verschlungenen Körperfragmenten, Torsi, verletzten, bandagierten Wesen, technisch perfekt gemalt, aber immer mit der Anmutung der geschundenen Existenz.
Bei der legendären Ausstellung Amberg Progressiv vor 40 Jahren präsentiert er dem teilweise verstörten Publikum Beispiele seiner Objektkunst. Er bringt seine Bildfiguren, die an Ringer oder Boxer erinnern, auf sich drehendeTrommeln auf, begleitet von Klangcollagen aus Würg- und Stöhnlauten. Obwohl diese Zeit auch Tendenzen zu politischen Umsturz kannte, wollte Günter Dollhopf, zu dieser Zeit bereits Kunstlehrer, nie politisch verstanden werden. Dennoch schreibt die Süddeutsche Zeitung damals über ihn: „In seiner Thematik ist er ganz ausschließlich auf den Kampf als Grundform unserer Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft fixiert.“
Sein Grundthema erfährt in den darauf folgenden Jahren vielfältige Variationen. Gliedmassen, Torsi verdichten sich zu an Felsformationen erinnernde Figurengruppen oder liegen aussätzig und bandagiert auf Sofas. Sofas, so Dollhopf, sind Folterinstrumente für den Rücken. Immer sind seine Bildfiguren auch Metaphern für die Verletzlichkeit und Vergänglichkeit menschlicher Existenz - und somit auch der des Betrachters - und auch der des Künstlers Günter Dollhopf selbst. Die Phase der „Rückenbilder" visualisiert in unzähligen Variationen das eigene schmerzhafte Ringen mit seinen Wirbelsäulenproblemen.
Einen Lichtblick im wahrsten Sinne des Wortes scheinen die Fensterbilder darzustellen. Sie zeigen den Blick aus dem Atelierfenster, ein Gewirr aus Ästen und Zweigen, lichtdurchflutet, verdichtet zu hochästhetischen Bildstrukturen. „Das Fenster ist nicht ein Schutzglas für die Beschaulichkeit eines gelangweilten Rentners, sondern die Öffnung in ein großes malerisches Abenteuer für einen aufgeregt Neugierigen“ sagt Günter Dollhopf selbst über diesen Werkabschnitt.
Aber schon bei seinen Hackstücken und Faltungen kehrt er zurück zu einer künstlerischen Auseinandersetzung, die Verletzungen darstellt. Schweres großformatiges Büttenpapier wird geschlagen, gefaltet, gedehnt, gedrückt, gerieben und gefärbt, reißt dabei auf, wölbt sich und es entstehen so Objekte von intensiver Ausstrahlung.
Auch in der Phase Utopia-Realita bleibt er seiner Grundfigur der ineinander verschlungenen Muskelwesen treu, allerdings beginnen sie die ihre Schwere zu verlieren, bevölkern die Bereiche oberhalb des Horizonts, fliegen wie Objekte aus einer anderen Welt über das Land. Bei seinem Beitrag zur Ausstellung 975 Jahre Amberg, 35 Jahre „Gruppe Amberger Künstler“, fliegen seine Bildfiguren über unsere alte Stadt. Diese Bilder sind übrigens in dem Ausstellungsbuch „Künstler sehen ihre Stadt Amberg“ publiziert, das in diesem Frühjahr erschienen ist; Günter Dollhopf hat ja viele Jahre die Ausstellungen der GAK bereichert.

Diesmal stehen die Lebensdaten am Ende der Laudatio: 1937 in Nürnberg geboren, studierte Günter Dollhopf in Nürnberg und dann in München, wurde Kunsterzieher – und vor allem auch Amberger. Seine Eigenständigkeit führte schon sehr bald zu einer Berufung als Professor an die Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, wo er von 1973-1997 lehrte und angehende Kunstlehrer ausbildete. Besonders in den 70er Jahren auch dies eine Aufgabe, die nicht ohne Verletzungen und Reibungsverluste abging, aber doch seinen Schülern reichen Ertrag brachte. Auf seine vielen Auszeichnungen und Preise, z.B. den Grand Prix der Internationalen Grafik-Triennale in Krakau möchte ich gar nicht mehr eingehen.
„Eine Laudatio ist ein Nachruf bei Lebzeiten“ meint der Schriftsteller Carl Zuckmayer. Wir sehen das nicht so und wünschen Günter Dollhopf, dem „aufgeregt Neugierigen“ noch ein reiches Oeuvre, an dem wir uns in Amberg und der Oberpfalz erfreuen, aber auch reiben dürfen.
 


Literatur, Links:

  • Laudatio

Autor: OKB


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