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Ein König in der Oberpfalz

 Ludwig der Bayer
                                                                                                                                  Bild: Giorces, Lizenz: CC Attribution Share Alike Unported 3.0

1315 - 1318 - 1324
Dreimaliger Aufenthalt Ludwigs des Bayern in Nabburg

König Ludwig — König Friedrich — Papst Johannes XXII.
Vom 16. Mai bis 2. November 2014 fand in Regensburg die alljährliche Bayerische Landesausstellung statt. An drei Stätten (Minoritenkirche, ehemalige Dompfarrkiche St. Ulrichs und Domkreuzgang) erzählte sie die spannende Geschichte von Ludwig IV., der anno 1314 zum römischen König gewählt und gekrönt wurde. In der letzten Ritterschlacht des Mittelalters besiegte der Wittelsbacher Spross 1322 zu Mühldorf seinen Konkurrenten Friedrich den Schönen aus dem Hause Habsburg und ließ den Vetter 28 Monate in der Burg Trausnitz im Tal einkerkern. Gegen den reichen Papst in Avignon, der ihn spöttisch „Bavarus" nannte und mit dem Kirchenbann belegte, verbündete sich Ludwig mit den Franziskanern. Sie erstrebten das Armutsideal der Urkirche. 1328 erlangte er in Rom ohne Approbation des Papstes Johannes XII. die Kaiserkrone und starb 1347 auf einem Jagdausflug.

Regierungsgeschäfte auf dem Reiseweg
Wie im Mittelalter üblich erledigte Ludwig IV., der als Reichsoberhaupt über keine feste Hauptstadt verfügte, die Regierungsgeschäfte auf dem Reiseweg. Dafür wählte er je nach machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen die Zielorte aus. Auffallend ist, dass der König im ersten Jahrzehnt seiner Regentschaft den süddeutschen Raum um sein herzogliches Machtzentrum Oberbayern mit München und Ingolstadt häufig aufsuchte. Eine bedeutsame Rolle fiel in dieser Ära Regensburg zu. Verkehrsgünstig gelegen, öffnete die Stadt das Tor zur Oberpfalz. Sie war damals das bedeutendste Rückzugsgebiet des Königs, wo er unter den Rittern und Ministerialen wichtige Mitstreiter fand. Überdies galt der Nordgau als „Ruhrgebiet des Mittelalters mit Amberg als Zentrum der Eisenverhüttung und Waffenproduktion. Rechnet man die zurückgelegten Strecken zusammen, legte Ludwig der Bayer mehr als 80.000 Kilometer zurück. Das bedeutet, dass er in seiner 33-jährigen Regierungszeit gewissermaßen zweimal den Erdball umrundete — und das meist zu Pferde!1 Die nördlichste Station Ludwigs IV. war Köln, die westlichste Aachen, die östlichste Wien und die südlichste Rom.²

Drei Aufenthalte in Nabburg
Auch Nabburg schenkte Ludwig der Bayer seine besondere Aufmerksamkeit, hielt der doch dreimal — um den 12. Dezember 1315, 14. März 1318 und 24./25. Juli 1324 — mit großem Gefolge Hof in ihren Mauern. Und das hatte seinen Grund: Die Stadt war nämlich neben Amberg und Burglengenfeld während der ersten Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts Amtssitz eines oberbayerischen Vitztums nördlich der Donau im Landfrieden der Herzöge Otto, Rudolf und Stephan. Der Vitztum (lat. vicedominus) amtierte als Stellvertreter des Herzogs mit Gerichtskompetenz. ³ 
Von den Aufenthalten in Nabburg wissen wir durch fünf Urkunden.
4 Sie regelten Reichsangelegenheiten und wurden von der mitreisenden Kanzlei ausgefertigt:

Am 12. Dezember 1315 im Jahr nach seiner Königskrönung - gibt Ludwig dem Ritter Ludwig von Wundsheim 10 Pfund als Heimsteuer (Aussteuer) seiner Tochter anlässlich der Heirat mit Friedrich Eglofsreuter. (Regest 169)

  

Am 14. März 1318 verleiht Ludwig dem Heinrich von Fronberg die Vogtei über die Hofstatt zu Asbach. (Regest 305)

 

Am 24. Juli 1324 spricht Ludwig die Stadt Rothenburg von einer Buße los, die sie sich in einem Handel mit denen von Seckendorff zugezogen hat. (Regest 731)

 

Am 25. Juli 1324 bevollmächtigt Ludwig den Grafen Berthold von Henneberg, in Dänemark und andernorts Leute für den Königsdienst anzuwerben. (Regest 732)

 

Am 25. Juli 1324 bevollmächtigt Ludwig denselben Grafen, Berthold von Henneberg, Heinrich von Hohenstein und die Harzherren mit ihren Forderungen aus in der Mark Brandenburg geleisteten Diensten zu bescheiden. (Regest 733)


Quellen:

1        Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2014 „Ludwig der Bayer — Wir sind Kaiser",            Regensburg 2014, S. 209.

2        Clauss, Martin, Ludwig IV. - der Bayer, Herzog, König und Kaiser, Regensburg 2014, S. 50.

3        Müller-Luckner, Elisabeth, HAB Nabburg, München 1981, S. 59.

4        Böhmer, Friedrich, Die Urkunden Kaiser Ludwigs des Bayern, König Friedrichs des Schönen        ad annum MCCCXLVII), Frankfurt a. M. 1839, Regesten 169, 305, 731, 732 und 733.

Josef Eimer


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