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Sophonias Paminger

 via Bayerische Staatsbibliothek: Paminger, Sophonias: Olophyrmos de morte ... Annae Weinzirlin, uxoris suae cariss. Norimbergae 1586
 Ausführlich ergänzter Datenbankeintrag:
(ganzer Eintrag mit Biographie und Litraturangaben 
hier)

von Dr. Fritz Wagner 

Sophonias Paminger 
* 5.2.1526 Passau 
† 4.7.1603 Nürnberg 

Lehrer, Lateinschulrektor, neulateinischer Dichter und Schriftsteller, Herausgeber

Sophonias Paminger war der zweite von drei Söhnen des Passauer Theologen und bekannten Komponisten Leonhard Paminger (*1495 Aschach/Österreich, † 1567 Passau), der an der Klosterschule von St. Nikola vor Passau als Lehrer und Rektor tätig war, wo evangelische Ideen auf eine große Offenheit stießen. Seinen Sohn Sophonias (*5.2.1526) hatte er wie die anderen beiden Söhne an die Lorenzschule in Nürnberg geschickt, an der bedeutende Lehrer unterrichteten.

Ab Anfang August 1544 studierte Sophonias Paminger an der Universität Wittenberg; bereits seit 1524 war das den bayerischen Landeskindern verboten. Seine Lehrer waren Melanchthon und der aus Deggendorf stammende Georg Rörer (*1.10.1492 Deggendorf, † 24.4.1557 Jena). Wegen einer Erkrankung kehrte er schon ein Jahr später nach Passau zurück und begann eine Vorbereitungszeit als Lehrer an der Schule von St. Nikola, unterbrochen 1548 durch weitere Studien an der Universität Ingolstadt. 
1550 verehelichte er sich mit Rosina Kündlinger. 
1556 musste er wegen seiner lutherischen Überzeugungen Passau verlassen und begann nun ein unstetes Wanderleben als Rektor an städtischen oder privaten Lateinschulen. Die erste Station war die Lateinschule in Deggendorf, wo er den Dienst wohl zum Schuljahresbeginn, am 18.Oktober 1556, antrat. Als Lateinschulrektor war Paminger zugleich Chorregent und Gesangslehrer für die Singknaben. 1557 stellte er hier eine Sammlung seiner meist lateinischen Gedichte fertig, die noch im selben Jahr zusammen mit Gedichten seines früh verstorbenen Bruders Balthasar (1523–1546), der hochbegabt gewesen war und trotz schwerer Krankheit mehrere Schriften verfasst hatte, in Nürnberg unter dem Titel „Poemata“ gedruckt herauskam. An seinen Dichtungen wurden die sprachliche Kraft und die Tiefe der Empfindung gerühmt. 
Aus unbekanntem Grund verließ Paminger 1558 oder 1559 Deggendorf und eröffnete in Straubing eine von zahlreichen Schülern besuchte private Schule. In Straubing starb seine Frau. 
Der 1562 erfolgte erneute Weggang Pamingers nach Regensburg stand mit den verschärften Maßnahmen des Herzogs Albrecht V. (1528–1579, 1550 Herzog) gegen Anhänger Luthers im Zusammenhang; wie mehrere Bürger Straubings fand er im protestantischen Regensburg Aufnahme. Paminger dürfte sich um eine Tätigkeit am Gymnasium Poeticum beworben haben, wo jedoch alle Stellen besetzt waren. Er betätigte sich daher wieder als Privatschullehrer. Hier heiratete er, vermutlich 1563, in zweiter Ehe die Witwe von Erasmus Zollner (1489–1560), ehemaliger Mönch in St. Emmeram, dann evangelischer Prediger und erster Pastor an der Neupfarrkirche. Paminger wird in der Regensburger Gemeinde eine bekannte Persönlichkeit gewesen sein; das belegt ein 1562 geschriebener Brief an den Theologen, Pfarrer und Superintendenten Nikolaus Gallus (1516–1570), den das Regensburger Stadtarchiv verwahrt. Dessen Sohn David Gallus, seit etwa 1575 Lehrer am Gymnasium Poeticum, heiratete 1576 eine Stieftochter Pamingers. 
1565 führt Pamingers Spur nach Amberg, wo er zusammen mit anderen eine Lateinschule eröffnen sollte, aber nicht als Lehrer tätig war. 1566 übernahm er die Stelle des Rektors der Lateinschule in Nabburg. Von Zwinglianern vertrieben ging er nach Ensdorf und war 1567 wieder in Regensburg. 1568 erhielt Paminger in Oettingen im Ries die Stelle des Rektors der Schule sowie des Inspektors der Alumnen und des Musikchors. Durch seine Gelehrsamkeit und seinen guten Ruf zog er zahlreiche Schüler nach Oettingen. Wegen Differenzen mit seinem Dienstherrn, dem Grafen von Oettingen, hinsichtlich seiner pädagogischen Ansichten kündigte er 1574 den Dienst und übernahm die Schulmeisterstelle an der Lateinschule in Nördlingen. Aber auch diese Position gab er aus ähnlichen Gründen im folgenden Jahr auf, um sich ganz der Herausgabe der kompositorischen Werke seines Vaters zu widmen, und ließ sich in Nürnberg als Privatlehrer nieder. Der Rat der Stadt stellte ihm auf Lebenszeit eine Wohnung im ehemaligen Kartäuserkloster zur Verfügung. Als 1585 eine Seuche, angeblich die Pest, in der Stadt wütete, flüchtete er mit seiner Familie an seinen früheren Wirkungsort Oettingen, wo seine Tochter seit 1574 mit dem Superintendenten Eberhard Herrnschmidt verheiratet war. Ebenfalls 1585 starb hier seine zweite Frau. Nach Nürnberg zurückgekehrt, ging er 1588 eine dritte Ehe ein mit einer Tochter des Nikolaus Herold (1529–1584), Pfarrer an der Heilig-Geist-Kirche in Nürnberg. 
Die ersten beiden Bände der „Cantiones Ecclesiasticae“ mit Motetten seines Vaters, geordnet nach dem Kirchenjahr, hatte er bereits 1573 herausgebracht. Zwei weitere Bände erschienen 1576 und 1580. Das Gesamtwerk enthält etwa siebenhundert kirchliche mehrstimmige Gesänge, darunter die fast vollständige Vertonung des Psalters. Ursprünglich war das Werk auf zehn Bände geplant. Auch zwei theologische Schriften seines Vaters zur Lehre von der Eucharistie, über die Verwandlung von Brot und Wein und zeitgenössische Irrtümer dazu, hatte Sophonias Paminger, zusammen mit seinem Bruder Sigismund (1538–1571), herausgegeben. Daneben verfasste Paminger zahlreiche gedruckte kleinere Schriften in Versform, Grabreden und Nachrufe auf Personen aus der Familie oder dem schulischen Umfeld sowie Feiergedichte zu familiären Anlässen, anhand derer seine Biographie beinahe lückenlos rekonstruiert werden kann, auch einige kleinere Kompositionen. 
Er starb 1603 in Nürnberg.

Schon 1556 schrieb Sophonias Paminger in Deggendorf im Auftrag des Rates der Stadt eine Schulordnung für eine vierklassige Lateinschule. Der Entwurf ist vermutlich identisch mit einem 10-seitigen Manuskript ohne Verfassernamen, das sich im Stadtarchiv Deggendorf erhalten hat und dann als eine frühe Vorarbeit gelten kann für eine 1586 in Regensburg als Buch veröffentlichte Schulordnung für eine fünfklassige Lateinschule, „Reformatio unnd Ordnung. Einer Lateinischen Schul.“ Möglicherweise wollte Paminger damit einen Diskussionsbeitrag liefern zu den Bemühungen um eine fortlaufende Verbesserung der Verhältnisse am Regensburger Gymnasium Poeticum. In beiden Schriften sieht der Verfasser Versagen von Erziehung und Bildung häufig schon im Elternhaus begründet, das oft sogar den Absichten der Schule zuwiderhandle. Demgegenüber betont er, wie wichtig es sei, dass der Lehrer mit seiner sittlichen Lebensführung, durch Wort und Auftreten ein gutes Beispiel gebe. Eine zu nachgiebige Haltung gegenüber Fehlentwicklungen, wie sie seinerzeit herrschten, sei die Ursache für zahlreiche Übel in Familie und Öffentlichkeit. 
Auch in der Prosaschrift bemüht er sich um pointierte Formulierungen, wie etwa, wenn er einen frühen Schulbeginn nicht wie üblich um 6 Uhr, sondern um 5 Uhr empfiehlt: „Aurora musis amica.“ (Die Morgenröte ist den Musen eine Freundin.) Paminger pflegte freundschaftliche Beziehungen zu zahlreichen Persönlichkeiten, z.B. zu dem aus Niederalteich stammenden Juristen und unter den katholischen neulateinischen Autoren einzigen bedeutenden Dichter Johannes Aurpach (1531–1582), dem er in der Schulzeit schon Nachhilfe im Skandieren von Versen gegeben hatte. Aurpach wurde nach einigen Jahren im Dienst des Herzogs 1567 Propst- und Domrichter in Regensburg und war 1570 bis 1579 bischöflicher Kanzler. Zu Pamingers Buch „Reformatio unnd Ordnung“ schrieb Jeremias Homberger (1529–1595) ein empfehlendes Vorwort. Dieser war Lehrer in Frankfurt a. M., Lauingen, Pfarrer in Oettingen, dann Superintendent in Graz, wo er 1585 wegen seiner protestantischen Haltung das Amt aufgeben musste. 1559/1560, wieder ab 1585 lebte er in Regensburg. Sein Sohn Paul Homberger (1560–1634), in Regensburg geboren, 1584 Schüler am Gymnasium Poeticum, 1601 hier Kantor und Lehrer am Gymnasium, wurde ein anerkannter Komponist.

 

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