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Zwischen „Senserl“ und „Nonsenserl“

Literarische Spurensuche beim Nordgautag: Am Freitag, 24.06. um 17.00 Uhr wird in einer musikalischen Lesung an den Regensburger Poeten und Wortkünstler Felix Hoerburger erinnert.

"schnubiculemus igitur
quoniam nil nescimus"

Er war ein Wissenschaftler von internationalem Rang, ein Musikethnologe, ein Sammler und Erkunder instrumentaler Volksmusik in Bayern und der Welt, der über Jahrzehnte an der Universität Regensburg geforscht und gelehrt hat. Seine Qualitäten als Komponist, geschult an Cesar Bresgen, Carl Orff und Richard Strauss, sind unbestritten, wenn auch praktisch unbekannt, suchte er doch nicht den Weg an die Öffentlichkeit. In Erscheinung getreten ist er hingegen als Sprachschöpfer. 1975 veröffentlichte er sein „Schnubiglbaieirisches Poeticum“, Texte in einem wohlklingenden, rhythmischen Dialekt. Wohltönend ist dieses „Klingel-Klangel“ anzuhören, doch ist diese „Mundart“ nur eine Erfindung des Autors, durchaus mit Sinn dahinter, aber losgelöst vom Eigentlichen und Gewohnten. Eine merkwürdig vertraute Kunstsprache begegnet hier – Jandl und Orff, auch DADA lassen grüßen. „Schnubiglbairisch“ ist Wortspiel und Klangspiel, das einen eigenwilligen Sog hat, aber bestenfalls so klingt, als ob es die Vokabeln gäbe. Ein Hörvergnügen sind die „Siauschuacherln“ (Kurzgeschichten), „Bambuznschtückln“ (Gedichte), „Plembemperer“ (rhythmische Stücke) und „Halbschnalzer“ (Stücke im Halbwalzerrhythmus) allemal. Und skurril obendrein. Sie handeln von einem frustrierten Leberknödel, der „Bri-Bra-Brezn“, dem „Tausendköpfler“, der mit tausend Ohren „waschelt“ und anderen mystisch bis sinnentleerten Phantastereien. Zur vollen Geltung kommt der Klangcharakter des „Schnubiglbairischen“ im Vortrag, den Beate Himmelstoß, Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk, fulminant beherrscht. Kongenial begleitet wird sie dabei von den Saitenkünstlern der Gruppe „Verzupft“, die „Musik von hier und anderswo“ spielen.

Manfred Knedlik


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