Nordgau - Oberpfalz - Nordgautag

(Text nach Prof. Dr. Ernst Emmerig, ehem. Regierungspräsident der Oberpfalz)

Der Begriff Nordgau bezeichnet ursprünglich einen schon im 7 Jh. besiedeten Teil des Stammesherzogtums Bayern im Westen der heutigen Oberpfalz, im Raum Lauterhofen, Neumarkt, Altdorf, Hersbruck. Im 8. Jh. wurde dieses Gebiet ein fränkischer Reichs¬gau; der Name trat in den karolingischen Reichsteilungsplänen Karls des Großen 806 und Ludwig des Frommen 817 und 839 auf. Im Laufe der Zeit erweiterte sich der Nordgau im Süden in das Altmühltal und bis Neuburg und Ingolstadt an der Donau, nach Westen in den Raum von Nürnberg, nach Osten bis an die Naab und erstreckte sich nach Norden mit zunehmender Besiedelung über Luhe und Waldnaab in das Egerland, das damals mit dem Egerer Becken, dem späteren Sechsämterland und dem Elsterland um die Orte Adorf und Marktneukirchen bestand und zum Bistum Regensburg gehörte.

Zerfall einer Region
Im 11. Jh. begann unter Kaiser Heinrich II. der Zerfall des Nordgaus. Er gehörte dann mit seinen Teilen zunächst verschiedenen Geschlechtern und zu mehreren Territorien, bis Kaiser Ludwig der Bayer 1322 das inzwischen verkleinerte Egerland und damit einen wesentlichen Teil des Nordgaugebietes an Böhmen verpfändete, von wo es nicht mehr zurückkehren sollte. Im Hausvertrag von Pavia 1329 sprach er weiter den größten Teil seiner anderen Besitzungen auf dem früheren Nordgau der rheinpfälzischen Linie der Wittelsbacher zu; das führte später – vom Rhein aus gesehen – zu der Bezeichnung die obere Pfalz. Dieses Gebier wurde 1628 unter Maximilian I. wiederum mit dem Kurfürstentum Bayern vereinigt.

Innerer Zusammenhalt
Der Name Nordgau lebte, obwohl seit dem 11. Jh. ohne staatsrechtliche oder exakt territoriale Bedeutung, trotzdem lange fort: Er hielt die Erinnerung an den alten geschichtlichen Raum fest, wenn z.B. Mitte des 16. Jh. in einem Anhang zur Egerischen Chronik festgestellt wird, dass das Gebiet um Eger der Nordgau genannt wird. Weiter tritt er vom 15. Jh. an in den Bezeichnungen von großräumigen Behörden im Gebiet der heutigen Oberpfalz auf, wie dem „Rentmeisteramt auf dem Nordgau“, dem „Jägermeisteramt“, dem „Landrichter“, „Forstmeister“ oder „Fischmeister“ jeweils „auf dem Nordgau“.

kulturelle Bedeutung
Seit dem 19. Jh. bekommt der Begriff Nordgau eine kulturelle Bedeutung: Er bezeichnet die „große nordbaierischen Mundartgruppe, die die Oberpfalz und das Egerland einschließt“. Die 1897 begründete Zeitschrift „Unser Egerland“ hat die geschichtliche Nordgauverbundenheit ebenso gepflegt, wie die 1907 begründete Heimatzeitschrift „Die Oberpfalz“, die bereits in ihrer ersten Nummer den Begriff „hauptsächlich im Sinn des alten Nordgaus“ nahm und heute noch den Untertitel „Heimatzeitschrift für den ehemaligen Bayerischen Nordgau“ führt.

Nordgaufest: Gründung und erster Niedergang
Die Nordgauischen Woche 1927 in Eger und die Oberpfälzer Woche 1928 in Nürnberg nahmen diese Tradition auf und führten 1930 auf Anregung von Dr. Heinz Schauwecker (Berching) zur Gründung der oberpfälzer-egerländischen Arbeitsgemeinschaft heimatpflegender Vereine auf dem Nordgau. Dem Heimattag 1930 in Cham folgten Nordgautage 1931 in Weiden, 1932 in Eger, 1933 in Regensburg und 1934 in Amberg. Auf dem Nordgautag 1935 in Sulzbach-Rosenberg führte der Druck der nationalsozialistischen Partei zum vorläufigen Ende der Nordgauidee.

Neugründung nach dem Krieg
Der Egerländer Dr. Friedrich Arnold in Amberg und der Oberpfälzer Dr. Heinz Schauwecker in Berching bemühten sich nach dem Kriege um eine Wiederentdeckung des Nordgautages. Im Jahre 1951 wurde in Regensburg mit dem ersten Tag des Egerlandes unter dem Motto „Oberpfalz und Egerland Hand in Hand“ unter großer Beteiligung von Egerländern aus dem ganzen Bundesgebiet wieder ein Nordgautag durchgeführt und im gleichen Jahr die ober-pfälzische Arbeitsgemeinschaft „Bayerischer Nordgau“ gegründet. Es folgten Nordgautage in Amberg, Weiden u.a. (… siehe Auflistung).

Oberpfälzer Kulturbund
Am 20.12.1969 schlossen sich die Arbeitsgemeinschaft „Bayerischer Nordgau“ und der inzwischen entstandene „Oberpfälzer Heimat-bund“ zum Oberpfälzer Kulturbund – Bezirksgemeinschaft für Heimatarbeit e.V. zusammen. Dieser führt seither im zweijährigen Turnus in Zusammenarbeit mit den Egerländer Gmoin die Nordgautage durch. Die ursprüngliche Zielsetzung ist dabei weiter ausgebaut und mit neuen, jeweils auf den Raum der Veranstaltung bezogenen Schwerpunkten versehen worden, die dort zu eigener Aktivität anregen. Damit gehen von den Nordgautagen immer wieder zugleich heimatliche wie auch kulturelle Impulse aus – sie sind Schaufenster einer geschichtlich und kulturell verbundenen Region, die die bayerische Oberpfalz und das tschechische Egerland umfasst.